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Maiki, gib alles!

Die Aufregung ist groß am Dienstagnachmittag in Bautzen. Wenn Maik Petzold die Anfeuerungsrufe seiner Familie gehört hätte, wer weiß?!

von Jana Ulbrich

Maik Petzold ist unter den Erwartungen geblieben. So werden es die Zeitungen heute schreiben. Platz 31 beim Olympischen Triathlon, das ist nicht gerade das, was sich der Bautzener für seinen letzten großen Wettkampf erhofft hatte. Aber was soll's. Für den kleinen Pepe ist und bleibt Onkel Maiki trotzdem der Allergrößte. Und für die ganze Familie sowieso. Die hat sich an diesem dramatischen Dienstagnachmittag erwartungsvoll im Wohnzimmer von Maiks Schwester Tina vor dem Fernseher versammelt. Und es fangt ja auch alles ganz gut an.

Nur Pepe will kein Schwarz-Rot-Gold im Gesicht. Er will lieber Pirat sein. „Das gefällt dem Maiki bestimmt", findet der Vierjährige. Nur: Wo ist denn der Maik? Pepe rückt ganz nahe an den Fernseher. Aber in den schwarzen Neoprenanzügen, mit den Schwimmbrillen und grasgrünen Badekappen sehen die Olympia-Triathleten beim Start alle gleich aus. „Vielleicht erkenne ich ihn an seiner Technik, die ist ja ziemlich markant", sagt Tina, die ein Jahr älter als ihr Bruder ist und früher auch mal an Triathlon-Wettkämpfen teilgenommen hat.

„Maik Petzold ist einer, der hier mitschwimmen kann", sagt der Fernsehreporter. Und Tina glaubt, ihren Bruder in der Spitzengruppe entdeckt zu haben. Die Aufregung im Wohnzimmer steigt. Und Maik steigt auch tatsächlich als einer der Ersten aus dem Wasser und aufs Rad. Und er hält klasse mit über die 40 Kilometer. Das sieht gut aus. Neffe Pepe ist jetzt ganz aus dem Häuschen. Müde ist er auch. Aber wer könnte an Mittagsschlaf denken, wenn der Maiki im Fernsehen ist!

„Petzold ist in der Verfolgungsgruppe", sagt der Reporter. Und die Verfolger sind immer ganz nah dran an den Führenden. Das sieht gut aus. „Da ist Maik! Da!" Tina zeigt aufgeregt auf den Fahrer mit dem rot-weißen Helm und der gelben Sonnenbrille. Wenn er jetzt bloß sieht, dass er dranbleibt. Vorbei geht's am Buckinghampalast und am Victoria Memorial. Und an einer gewaltigen Zuschauerkulisse. Irgendwo dort am Straßenrand sind auch Angela und Reinhard Petzold, Maiks Eltern, und seine Frau Nadine. Einmal, ganz kurz nur, wird Maik seinen Vater sogar erkennen in dieser Kulisse.

Der Bautzener liegt auf Platz 14 mit nur zwei Sekunden Rückstand auf den Ersten, als er die letzten zehn Kilometer Laufstrecke in Angriff nimmt. „Maiki, gib alles", ruft ihm seine Familie von Bautzen aus zu. Da kommen die Mainzelmännchen mit der Werbung.

Und danach kommt kein Maik mehr. Was ist los? Wo steckt er? Es wird unruhig in Tina Petzolds Wohnzimmer. Laufen, das wissen hier alle, ist nicht seine Stärke. Er habe sich gefühlt wie ein Auto im ersten Gang, das nicht vorwärtskommt und das sich nicht mehr hochschalten lässt, so wird er es später am Telefon erklären. Irgendwann sagt der Reporter noch mal, Petzold sei jetzt 24., dann zeigen die Fernsehbilder nur noch die Sieger. Als der Bautzener ans Ziel seines letzten großen Rennens kommt, hat das Fernsehen die Übertragung vom Triathlon schon abgebrochen.

Schade, dass Pepe, Tina und die anderen jetzt nicht mehr sehen können, wie ein erschöpfter, ein enttäuschter, aber auch ein glücklicher Bautzener die Ziellinie im Londoner Hyde Park überquert: Hand in Hand mit seinem besten Freund und Sportkameraden, dem Australier Brad Kahlefeldt. „Brad hat gesagt, komm, wir schaffen das zusammen", erzählt Maik später am Telefon. Und dieser Moment wird einer der größten in seiner außergewöhnlichen Sportlerkarriere bleiben.

„Wir sind stolz auf Maik", sagt seine Schwester, die sehr gut weiß, wie viel Disziplin und Quälerei nötig sind, um so weit zu kommen. Und mit einem Gläschen selbst gemachten Johannisbeer-Likör stößt die Familie darauf an, dass Maik sich mit der Olympiateilnahme noch einmal seinen größten sportlichen Wunsch erfüllen konnte. Den anderen, verrät der Bautzener nach dem Rennen den Reportern, den will er sich jetzt erfüllen: Eine eigene Familie gründen und ein Leben nach dem Leistungssport beginnen. Natürlich in Bautzen, in der Heimat und in der Nähe der großen Petzold-Familie. Neffe Pepe freut sich schon riesig, dass Maiki jetzt bald viel öfter Zeit für ihn hat. Für ihn und seine kleine Schwester Meggi, die gerade die ganze Aufregung im Kinderwagen verschlafen hat.

(Jana Ulbrich, Sächsische Zeitung, S. 13, 08.08.2012)
Eingetragen am 18.09.2012 von Uwe Warmuth.

Maik Petzold und Olympia 2012

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